Guerilla Gardening – auf die Barrikaden

Gärtnern als stiller Protest gegen die örtliche Politik, als Zeichen zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum. So kann politischer Aktivismus im 21. Jahrhundert aussehen. Mittlerweilen gehen die Motive dafür, deutsche Innenstädte in mehr oder weniger geheimen Aktionen zu bepflanzen, weit darüber hinaus. Wir erklären, wie Großstädter die Stadt erobern.

guerilla gardening karotte

Natürlich darf das, was heimlich angepflanzt wurde, auch geerntet und gegessen werden!

Guerilla Gardening, das bedeutet wörtlich so viel wie „gärtnerischer Kleinkrieg“. Was als Form des stillen Protests gegen die Politik begonnen hat, hat sich inzwischen zu einem regelrechten Kult in Großstädten auf der ganzen Welt entwickelt. Ziel der Bewegung ist es, die eigene Stadt grüner, schöner und lebenswerter zu machen. Dabei wird jedes brache Fleckchen Erde begrünt, gehegt, gepflegt und mit Blumen bepflanzt.

Wer sind die Guerilla-Gärtner?

Als wir auf das Thema Guerilla Gardening aufmerksam wurden, haben wir uns gefragt: Wer macht das eigentlich? Welche Leute sind das, die ganz nebenbei die Stadt begrünen, und teilweise in Nacht-und-Nebel-Aktionen Blumenzwiebeln und Sträucher einpflanzen? Die Antwort ist so erstaunlich wie simpel: Es kann jeder sein! Natürlich ist der Anteil umweltbewusster junger Menschen unter den urbanen Gärtnern hoch, aber unter ihnen sind auch viele „ganz normale Erwachsene“ und Familien. Es engagiert sich eben jeder, der seine Stadt gerne grüner sehen möchte.

Wie funktioniert´s?

Eines vorweg: DAS Guerilla Gardening gibt es nicht. Wie gegärtnert wird, das bleibt grundsätzlich jedem selbst überlassen. Allerdings haben sich ein paar typische Elemente entwickelt, derer sich die urbanen Gärtner bedienen.

Ein typisches Guerilla-Gardener-Utensil sind die sogenannten Samenbomben. Sie sind etwa so groß wie eine Walnuss und bestehen aus Erde, Samen und Tonpulver. Die kleinen Bomben kann man überall dort abwerfen, wo es nötig erscheint, egal ob auf einer Verkehrsinsel, auf einem Grünstreifen oder auf sonst einer brachen Fläche. Klingt ziemlich einfach, oder? Und das ist es auch! Bastelt euch doch einfach ein paar Samenbomben, wie hier auf Utopia.de beschrieben, und probiert es aus!

Aber nicht nur Bodenflächen werden von den Guerilla-Gärtnern begrünt. Auch große Betonflächen wie zum Beispiel Lärm- oder Sichtschutzmauern bekommen ihre Dosis Natur ab. Und zwar mit sogenannten Moosgraffitis (gesehen auf change-it.org). Dafür wird eine Mixtur aus Moos und Buttermilch auf die Wände aufgepinselt oder aufgesprüht. Das Moos fängt im Optimalfall (d.h. wenn es genügend Feuchtigkeit bekommt) nach kurzer Zeit an zu wurzeln und zu wachsen. Oft werden mit den Moosgraffitis auch Schriftzüge oder Bilder aufgemalt.

Darf man das?

Die Freude am Grün ist die eine Sache, die Gesetze eine andere. Während das Verteilen von Gras- und Blumensamen strafrechtlich unproblematisch ist, solltet ihr von Moosgraffitis im Zweifel lieber die Finger lassen! Werden sie auf öffentlichen oder fremden privaten Gebäuden aufgetragen, riskiert man unter Umständen eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.

Gibt’s das auch in meiner Stadt?

Zumindest für die Großstädte können wir diese Frage mit einem klaren JA beantworten (gartenpiraten.net). Seht euch einfach mal im Netz um! Vor allem in den sozialen Netzwerken werdet ihr unter dem Stichwort „Guerilla Gardening“ und dem Namen eurer Stadt schnell fündig. Schließt euch doch mal bei einer Aktion an und probiert es aus! Wir jedenfalls haben Blut geleckt und halten schon fleißig Ausschau nach öden Fleckchen in der Stadt!

Foto: © joools – Fotolia.com

Über den Autor

Ich bin das Salz in der Suppe der Redaktion. Habe Architektur studiert und verstehe mich als Pragmatiker. Als Architektin gebe ich auch privat gerne Tipps zur Wohngestaltung. Ich bin als waschechte Berlinerin von der Berliner Sichtweise auf Wohnen geprägt.

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