Wintergarten – Fluch oder Segen?

Im Morgenmantel unter freiem Himmel frühstücken, selbst wenn der Sommer längst vorbei ist und die Tage kalt und ungemütlich werden – das ist der Traum vieler Eigenheim-Besitzer. Doch ist der Wintergarten wirklich eine Investition wert oder erweist er sich am Ende als Albtraum? Wir sind den Vor- und Nachteilen der gläsernen Anbauten für euch auf den Grund gegangen.

wohnzimmer im grünen

Der englische Adel erfand den Wintergarten – nicht die Schweizer.

Die Wintergarten-Tradition reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Doch während sich vor vielen hundert Jahren nur ausgesprochen wohlhabende Familien einen Wintergarten leisten konnten (hier das Beispiel Palmenhaus in Wien), ist er heute schon Alltag geworden. Für viele ist der ganzjährig nutzbare Außenbereich mittlerweile sogar ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Traumhauses.

Beliebt sind vor allem die sogenannten Wohn-Wintergärten: hier ein paar Beispiele eines Architektur Blogs. Unter einem Wohnwintergarten versteht man einen Wintergarten, der ganzjährig zum Wohnen genutzt wird und meist als Verlängerung des Wohn- oder Essbereichs ausgestaltet ist und durch offenes Mauerwerk fester Bestandteil des Hauses oder der Wohnung wird.

Vor dem Bau eines Wintergartens sollte man sich allerdings gründlich mit dessen Vor- und Nachteilen beschäftigen und genau ausloten, ob der Glasanbau für einen selbst wirklich in Frage kommt.

Wir haben Wohn-Wintergärten für euch genauer unter die Lupe genommen:

PRO Wintergarten

Wintergärten sind vor allem wegen ihrer positiven Begleiterscheinungen so populär: In erster Linie bringen Sie viel Licht ins Zuhause. Das steigert nicht nur die Wohnqualität eines Gebäudes, sondern wirkt sich auch ganz erheblich auf die persönliche Stimmung aus.

Daneben trägt ein Wintergarten zu einer positiven Energiebilanz bei, da er mit seinen Glasflächen auch an kalten Tagen viel Sonnenlicht einfängt, den Raum aufwärmt und damit hilft, jede Menge Energie zu sparen (Quelle).

CONTRA Wintergarten

Allerdings können genau diese Vorteile auch ganz schnell zu Nachteilen werden: An milden Tagen kann die Sonneneinstrahlung schnell zu tropischen Temperaturen im Inneren des Wintergartens und damit auch des Hauses führen. Um das zu vermeiden, ist eine gute Klima- und Lüftungstechnik unvermeidbar (bei haus.de wird das perfekte händische Lüften konkret beschrieben). Sobald aber Technik im Einsatz ist, schnellen aber auch die Energiekosten wieder in die Höhe. Zudem muss für ausreichend Sonnenschutz gesorgt werden, z.B. durch Außenjalousien.

Dazu kommt, dass die Glasfläche, aus der der Wintergarten gefertigt ist, Wärme nicht gut speichert und der Raum somit auch schnell wieder abkühlt. Damit im Winter nicht auch das restliche Gebäude auskühlt, muss in jedem Fall eine Heizung installiert werden. Und die – ihr erratet es schon – verbraucht ihrerseits auch wieder einiges an Energie.

Wintergarten aus Profi-Hand

Wie gerade beschrieben, wirft ein Wintergarten durch seine Glasbauweise einige Besonderheiten auf, die es zu beachten gilt, damit der Indoor-Außenbereich nicht zum unerträglichen Treibhaus wird. Generell gilt deshalb: Finger weg von DIY-Varianten! Wer einen Wintergarten bauen und lange Spaß daran haben will, sollte unbedingt einen Profi ans Werk lassen. Der hilft übrigens auch mit dem nötigen Papierkram, wie zum Beispiel der ggf. notwendigen Baugenehmigung.

In eigener Vorbereitung solltet ihr euch vorweg möglichst unabhängige Informationen einholen. Das könnte ihr zum Beispiel beim Bundesverband Wintergarten e.V.

Alternativen zum Wintergarten

Aber auch, wer jetzt zu dem Schluss gekommen ist, dass der Bau eines Wintergartens doch zu umfangreich für ihn ist, muss nicht unbedingt auf einen wetterfesten Außenbereich verzichten:

Eine Alternative sind zum Beispiel Glaspavillons (hier ein paar Bilder). Durch ihren wesentlich kleineren Flächenbedarf bedürfen sie in der Regel keiner Baugenehmigung. Außerdem sind sie sehr dekorativ und können sich perfekt in den heimischen Garten einfügen. Durch den Bau nahe an Bäumen und Büschen lässt sich zudem wesentlich leichter für ausreichend Schatten sorgen, als bei einem Wintergarten.

Wer dagegen besonderen Wert auf einen direkten Zugang vom Wohnhaus legt, der ist mit einer Terrassenüberdachung besser beraten. Das Prinzip einer solchen Terrassenüberdachung ist schnell erklärt: Es wird direkt am Haus ein festes Dach über der Terrasse angebracht, wie bei einer Veranda. An den Außenwänden der neuen Veranda werden verschiebbare Glaswände verbaut. Diese können bei Wind und Wetter einfach hervorgeschoben werden und schon entsteht ein wetterfester Außenplatz (hier findet ihr eine ausführliche Beschreibung dazu). Der Vorteil an dieser Variante: Man gibt der sowieso schon vorhandenen Terrasse einfach eine neue Funktion dazu ohne zusätzlichen Platz verbauen zu müssen.

Foto: © 2mmedia – Fotolia.com

Über den Autor

Ich bin das Salz in der Suppe der Redaktion. Habe Architektur studiert und verstehe mich als Pragmatiker. Als Architektin gebe ich auch privat gerne Tipps zur Wohngestaltung. Ich bin als waschechte Berlinerin von der Berliner Sichtweise auf Wohnen geprägt.

Hinterlasse eine Antwort